Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs zeigt: Die gesamte Gesellschaft muss Verantwortung übernehmen

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs veröffentlicht den Bilanzbericht ihrer ersten Laufzeit.

Berlin, 03.04.2019. Die Unabhängige Kommission sexuellen Kindesmissbrauchs veröffentlicht heute den Bilanzbericht ihrer ersten Laufzeit und informiert umfassend über ihre Arbeit der letzten drei Jahre. Der Bericht besteht aus zwei Bänden. Band I beinhaltet neben der Dokumentation der Arbeit der Kommission auch Ergebnisse, Schlussfolgerungen und Empfehlungen. In Band II erzählen Betroffene in eigenen Worten von ihrer Vergangenheit, ihren Wünschen und Hoffnungen. Die 30 Berichte führen eindrücklich vor Augen, was sexuelle Gewalt in Kindheit und Jugend, das lange Schweigen und der Kampf um Gerechtigkeit für das Leben von Betroffenen bedeuten.

Prof. Dr. Sabine Andresen, Vorsitzende der Kommission: „Aus den Berichten der Betroffenen geht vor allem hervor, wie häufig das nahe Umfeld und die gesamte Gesellschaft versagt haben und Kinder nicht geschützt wurden. Dafür muss Verantwortung übernommen werden. Es geht darum, heute Kinder und Jugendliche zu ihren Rechten zu verhelfen und sie zu schützen. Und es geht um die Anerkennung der Rechte heute erwachsener Betroffener und um eine gute Versorgung.“

Gesamtgesellschaftliche Verantwortung übernehmen, bedeutet, sich den Erkenntnissen über Ursachen und Folgen sexuellen Kindesmissbrauchs zu stellen. Die Kommission konnte auf der Basis von vertraulichen Anhörungen und schriftlichen Berichten betroffener Menschen vielfältige Widerstände gegen eine Auseinandersetzung mit sexuellem Kindesmissbrauch identifizieren. Betroffene berichten von Abwehrreaktionen etwa in ihren Familien oder in Institutionen, wenn sie als Kinder oder Jugendliche versuchten, sexuelle Gewalt aufzudecken: Statt ihnen zu glauben, sie zu unterstützen und den Missbrauch zu beenden, wurden sie häufig ausgegrenzt oder ihnen wurde die Mitschuld an den Taten zugewiesen. Als Erwachsene erleben Betroffene oft erneut diese Widerstände und das Verleugnen von sexuellem Kindesmissbrauch.

Eines der wichtigsten Themen in den Anhörungen und Berichten ist folglich das Schweigen der Anderen. Nahe Familienangehörige, Nachbarn, Lehrkräfte, Mitarbeitende des Jugendamtes und andere haben somit dazu beigetragen, dass der erlebte Missbrauch nicht beendet und auch später die Aufarbeitung verhindert wurde. Nur wenige Betroffene berichten davon, dass sie in Kindheit und Jugend Hilfe und Unterstützung durch ihr Umfeld erhielten. Daher ist zentral für Prävention und Kinderschutz, diesen Widerständen und dem Schweigen der Anderen etwas entgegenzusetzen durch Zuhören, Verstehen, Glauben und Helfen.

Die Taten und das Schweigen der Anderen darüber zwingen Kinder und Jugendliche dazu, allein Wege zu finden, die es Ihnen ermöglichen, weiterleben zu können und die Gewalterfahrungen zu bewältigen trotz des verloren gegangenen Vertrauens, der seelischen und oft auch körperlichen Verletzungen, der Scham- und Schuldgefühle. Dies ist besonders dann belastend, wenn sie das Umfeld etwa ihre Familie nicht verlassen können, in dem der Missbrauch stattfindet.

Als Bewältigungsmuster und Verhaltensweisen schildern Betroffene am häufigsten, dass sie den Missbrauch verdrängt oder abgespalten haben. Manche flüchteten sich auch in eine Fantasiewelt. Wieder andere entwickelten einen ausgeprägten schulischen oder sportlichen Leistungsanspruch, um Selbstbestätigung zu erhalten oder durch eiserne Disziplin, Schmerzen und Gefühle zu unterdrücken. Auch sendeten Betroffene durch plötzlich auftretendes aggressives Verhalten gegenüber sich selbst oder andere oder auch durch sozialen Rückzug deutliche Signale an ihre Umwelt.

Die Aufarbeitungskommission soll auch einen Beitrag dazu leisten, das gesellschaftliche Bewusstsein für die Folgen sexuellen Kindesmissbrauchs zu schärfen. Denn diese beeinträchtigen die Bildungskarrieren und das spätere Erwerbsleben, sie erschweren häufig persönliche Beziehungen und belasten das Familienleben. Die Arbeit der Kommission verdeutlicht erneut, dass Betroffene bis heute bei einer Bewältigung der Folgen an strukturellen und finanziellen Hürden scheitern. Sie erhalten zu oft keine passenden Hilfen im Bereich Beratung und Therapie. Die Standardlösungen der Krankenkassen reichen angesichts der gesundheitlichen Folgeprobleme häufig nicht aus. Das Angebot an Fachberatungsstellen muss flächendeckend ausgebaut, finanziell abgesichert und bekannter gemacht werden. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Behörden wie im Versorgungsamt, im Jobcenter, bei Krankenkassen oder in der Justiz müssen auf den Umgang mit traumatisierten Menschen vorbereitet und entsprechend fortgebildet werden. Und es muss in den Bereichen Pädagogik, Medizin, Psychologie und Rechtswissenschaften ein Grundlagenwissen über sexuelle Gewalt und deren Folgen in der Ausbildung vermittelt werden.

Prof. Dr. Peer Briken, Mitglied der Kommission: „Wir danken den vielen Menschen, die uns ihre Geschichten anvertraut haben, um sie in die Öffentlichkeit zu tragen. Das Sprechen über sexuellen Kindesmissbrauch kann sehr belastend sein und dazu gehört viel Mut. Davor haben wir großen Respekt. Jede Geschichte zählt und kann helfen, Kinder heute und in Zukunft besser zu schützen.“

Seit Mai 2016 haben sich knapp 1.700 Betroffene bei der Kommission gemeldet. Es wurden rund 900 vertrauliche Anhörungen durchgeführt und 300 schriftliche Berichte ausgewertet. Der Kommission berichteten Betroffene von sexueller Gewalt u.a. in der Familie, im sozialen Umfeld, in der Schule, in Heimen, in rituellen und organisierten Kontexten, in der Klinik, im Pfarrhaus, in der Kirche, bei den Zeugen Jehovas, beim Sport, durch Fremdtäter, in Chören und in weiteren Freizeiteinrichtungen.
Die Kommission veranstaltete drei öffentliche Hearings, in denen Betroffene vor 200 Gästen zu den Schwerpunkten Familie, DDR sowie evangelische und katholische Kirche ihre Geschichte erzählten und Zeugnis ablegten. Sie veröffentlichte eine Expertise und eine Fallstudie zu sexuellem Kindesmissbrauch in der DDR, eine weitere Fallstudie zu den Kirchen, ein Empfehlungspapier für kindgerechte und betroffenensensible Strafverfahren sowie einen Zwischenbericht. Zudem tauschte sich die Kommission in sieben Werkstattgesprächen mit rund 60 Expertinnen und Experten zu verschiedenen Schwerpunktthemen aus wie rituelle und organisierte sexuelle Gewalt, Missbrauch beim Sport, an Menschen mit Behinderung oder auch zur Verantwortung von Institutionen.

Die Unabhängige Kommission zu Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs arbeitet ehrenamtlich und hat im Mai 2016 ihre Arbeit aufgenommen. Diese war vorerst auf drei Jahre begrenzt und wurde nun bis Ende 2023 verlängert. Damit hat die Kommission die Möglichkeit, sexuellen Kindesmissbrauch in weiteren Bereichen zu untersuchen. Erste Schwerpunkte der zweiten Laufzeit sind der Sport, Menschen mit Behinderung und die sogenannte Pädosexuellenbewegung. Bis zum Herbst 2019 wird die Kommission Eckpunkte für eine gelingende Aufarbeitung erarbeiten, die Institutionen eine Orientierung geben sollen, eine Aufarbeitung bestmöglich zu beginnen und durchzuführen.

https://www.aufarbeitungskommission.de/bilanzbericht_2019/

Ein Beispiel für bürgerschaftliches Engagement: Mit Tannenbäumen Pflegekindern helfen

Dass man auch eine Woche vor dem kalendarischen Frühlingsanfang Menschen noch mit dem zurückliegenden Weihnachtsfest begeistern kann, wurde heute in Berlin-Spandau bewiesen. Dort wurde in Form einer Scheckübergabe der Erlös aus dem Verkauf von Tannenbäumen auf dem „Spandauer Weihnachtstraum“an den Aktivverbund e.V. gefeiert. Organisator der Zeremonie war wieder der Berliner Schausteller Thilo-Harry Wollenschlaeger. Zusammen mit Gerhard Hanke, dem stellvertretenden Bezirksbürgermeister und Sozialstadtrat, überreichte er den Scheck in Höhe von750 Euro an Renate Schusch, die Vorsitzende vomAktivverbund e.V.

„Es kommt nicht auf die Höhe einer Spende an“, betonte Thilo-Harry Wollenschlaeger, „sondern, dass man bereit ist zu helfen.“ Insofern hätten alle Käufer der Tannenbäume, die im vergangenen Jahr den „Spandauer Weihnachtstraum“geschmückt hätten, dazu beigetragen, dass man heute die Arbeit vom Aktivverbund unterstützen kann.

Seitvielen Jahren stiftet Thilo-Harry Wollenschlaeger die Tannenbäume, mit denen in der Vorweihnachtszeit der „Spandauer Weihnachtstraum“vor dem Rathaus geschmückt ist, kurz vor dem 24.Dezember. Gegen eine kleine Spende kommen so auch bedürftige Berliner in den Besitz eines Weihnachtsbaumes. Das eingenommene Geld erhöht Wollenschlaeger und spendet es an eine karitative Einrichtung, die ihm vom Sozialstadtrat empfohlen wird. So wird gleich mehrfach geholfen.

Gerhard Hanke lobte die Arbeit vom Aktivverbund e.V. Der gemeinnützige Verein kümmere sich bundesweit um Kinder mit Gewalterfahrung und biete Pflegekindern Hilfe an. Auch in Spandau engagiere sich der Verein vorbildlich. Bei Thilo-Harry Wollenschlaeger bedankte sich Gerhard Hanke für das unermüdliche karitative Engagement. Es sei ein Beispiel dafür, dass man nur eine Idee brauche und die Bereitschaft zu helfen, um Gutes in unserer Gesellschaft zu bewirken.

Renate Schusch nutzte die Scheckübergabe, um Einblicke in die Arbeit des Aktivverbunds zu geben. Pflegekindertragen Verletzungen in sich, die durch Vernachlässigung, Misshandlung oder Missbrauch entstanden sein können; mindestens jedoch durch einen Beziehungsbruch. Diese Verletzungen und deren Folgen, seelische Belastungen der Kinder, gelte es zu heilen. Dazu brauche es positive Beziehungserfahrungen, Sicherheit und engagierte Pflegeeltern. Hier engagiere sich der Aktivverbund auf vielfältige Weise. Die Spende diene dazu, diese Arbeit auch auf regionaler Ebene weiter zu unterstützen.

Frühlingsfest – Start in die Berliner Rummel-Saison

Eine gute Tat zum Auftakt vom neuen Berliner „Frühlingsfest“

Starten Sie mit uns in den Berliner Frühling und in die Freiluft-Saison voller Spaß, Spiel und Entspannung. In Spandau wird mit dem brandneuen „Frühlingsfest“ die Rummel-Saison der Stadt eröffnet.

Zugleich wollen wir mit dem Start des neuen „Frühlingsfestes“ an eine schöne Tradition erinnern, mit der schon seit Jahren karitative Einrichtungen unterstützt werden: den Verkauf von Weihnachtsbäumen für einen guten Zweck. Das Ergebnis aus der letzten Aktion zum vergangenen Weihnachtsfest, ein Barscheck, wird auf dem „Frühlingsfest“ an den Aktivverbund e.V. überreicht, damit dessen Hilfsarbeit für Pflegekinder und Kinder mit Gewalterfahrung auch in diesem Jahr weitergehen kann.

Bitte seien Sie unser Gast beim Pressetermin anlässlich der Eröffnung des neuen Frühlingsfestes und der Scheck-Übergabe an den Aktivverbund e.V. am:

Mittwoch, 13. März 2019, 12.00 Uhr
Festgelände am Bahnhof Spandau
Klosterstraße 38
13581 Berlin
(vis-à-vis „Spandau Arcaden“)

Zum Pressetermin erwarten Sie der stellvertretende Bezirksbürgermeister und Bezirksstadtrat für Wirtschaftsförderung, Soziales, Weiterbildung und Kultur, Gerhard Hanke, der „Frühlingsfest“- Organisator, Thilo-Harry Wollenschlaeger, sowie Renate Schusch, Vorsitzende Aktivverbund e.V.

Anwesend wird auch die Vorsitzende der Interessengemeinschaft Berlin-Brandenburgischer Schausteller sein, Jacqueline Hainlein-Noack, um Sie über die aktuellen Entwicklungen rund um das „Deutsch-Amerikanische-Volksfest“ zu informieren. Erneut sind die Schausteller auf der Suche nach einem Platz für dieses traditionelle Volksfest und haben dafür Hilferufe an den Berliner Senat und die Bezirkspolitiker geschickt. Einige der in der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof- Schöneberg vertretenen Parteien haben sich dabei gegen einen Dringlichkeitsantrag gestellt, mit dem der Bezirk die Schausteller bei der Suche nach einem Volksfestplatz unterstützen wollte.

Weitere Informationen finden Sie hier

Zukunft der Kinder- und Jugendhilfe

Das Dialogforum „Zukunft der Kinder- und Jugendhilfe“ wurde auf Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) Anfang des Jahres 2017 gemeinsam mit dem Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge e. V. ins Leben gerufen mit dem Ziel, an den bisherigen Meinungsaustausch hinsichtlich einer Weiterentwicklung des Sozialgesetzbuchs (SGB) Achtes Buch (VIII) anzuknüpfen. Die Schwerpunkte bildeten die Themenkomplexe „inklusive Lösung“ und „Hilfen zur Erziehung“. Die Ergebnisse des Dialogforums wurden jetzt vom Deutschen Verein veröffentlicht.
Der Bericht zur Arbeit des Dialogforums im Deutschen Verein umfasst folgenden Inhalt

I. Einleitung

II. Dialogforum „Zukunft der Kinder- und Jugendhilfe“ im Deutschen Verein

III. Arbeitsgruppenprozess

1. Auf dem Weg in eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe

2. Zusammenführung der Leistungen für alle Kinder und Jugendlichen aus einer Hand

3. Bedarfsermittlung und Hilfeplanverfahren

4. Rahmenbedingungen der Sozialraumorientierung und Finanzierung

IV. Zusammenfassung

V. Ausblick

Nachfolgend ein Auszug aus dem Ausblick, mit Hinweis auf mögliche zukünftige Entwicklungen

„Das Dialogforum „Zukunft der Kinder- und Jugendhilfe“ war bewusst weit und offen angelegt, um die Äußerung aller Ideen, Meinungen und Befürchtungen zu ermöglichen und damit eine Basis für weitere Diskussionen zu legen.

Der große Mehrwert des Dialogforums stellte sich im direkten Austausch zwischen Kinder- und Jugendhilfe sowie Behindertenhilfe dar. Beide Seiten lernten sich besser kennen (Rolle, Haltung, Traditionen), klärten unterschiedliche Konzepte und entdeckten viele Gemeinsamkeiten. Die Behindertenhilfe ist nun auch in Gremien der Kinder- und Jugendhilfe eingebunden und beteiligt sich intensiv an den Diskussionen. Dies eröffnet nun die Möglichkeit, gemeinsame Ziele und Wege zu finden.

Durch die UN-BRK und die diesbezüglichen Entwicklungen in den letzten Jahren befindet sich unsere Gesellschaft bereits in einem inklusiven Umwälzungsprozess. Auch im Bereich der Hilfen zur Erziehung entwickeln sich auf kommunaler Ebene fortwährend neue Ideen und Umsetzungen. Über die schon lange laufenden Fachdiskussionen hinaus müssen nun Struktur- und Finanzierungsfragen dringend angegangen werden. Essentiell ist dabei, dass man „sich ehrlich macht“ und diese Fragen differenziert erörtert. Dieser Entwicklungsprozess sollte nun gemeinsam mit allen Akteuren intensiv diskutiert und gestaltet werden.

Dafür ist ein abgestimmtes Verfahren der Beteiligung erforderlich, auch die Betroffenen sollten zukünftig in die Debatte eingebunden werden. Trotz Differenzen sprachen sich alle Akteure dafür aus, gemeinsam an einer Weiterentwicklung zu arbeiten. Der “Fuß“ solle „in der Tür bleiben“, das Thema verbreitet und die Praxis weiterentwickelt werden.

Vorgeschlagen wurde, Modelle auf kommunaler Ebene zu erproben, sie zu evaluieren und darauf aufbauend bundeseinheitliche gesetzliche Regelungen zu entwickeln.

Zukünftig sollten die Diskussionen nun in kleineren Schritten angegangen und gemeinsame Papiere entwickelt werden. Als Teilthemen kristallisierten sich heraus: Ausbildung und Profession, generelle inklusive Zugänge und Ausgestaltung der Angebote der Kinder- und Jugendhilfe, Inklusive Jugendhilfeplanung/Sozialplanung, Sozialräumliche Infrastruktur, Kooperation an den Schnittstellen, Übergänge, Bedarfsfeststellung, Hilfeplanung, Leistungstatbestand, Leistungskatalog, Finanzierung, Struktur/Aufbau in der Kommune.

Unabhängig von einer inklusiven Lösung im SGB VIII ist aktuell eine Weiterentwicklung hinsichtlich der inklusiven Ausrichtung der bereits bestehenden Angebote der Kinder- und Jugendhilfe erforderlich. Auch vor dem Hintergrund des Bundeteilhabegesetzes besteht bereits heute direkter Handlungsbedarf, da das BTHG die kinder- und jugendspezifischen Bedarfe nur marginal berücksichtigt hat und bei der Entwicklung des BTHG davon ausgegangen wurde, dass sich das SGB VIII inklusiv weiterentwickelt. Außerdem besteht aufgrund der Auswirkungen des BTHG auf die Kinder- und Jugendhilfe ein Fortbildungsbedarf in den Jugendämtern.

Das Dialogforum war ein erster wichtiger Schritt, um ein zukunftsfähiges, nachhaltiges und den aktuellen Entwicklungen entsprechendes SGB VIII weiterentwickeln zu können. Bei den nun folgenden Schritten wird sich der Deutsche Verein weiterhin im Rahmen seiner originären Strukturen und Aufgaben intensiv einbringen und die Weiterentwicklung unterstützen.“

Im Anhang innerhalb des Berichtes befinden sich Überblicke und Zusammenfassungen der Veranstaltungen im Dialogforum.

KulturZeit für die ganze Familie

Die EmMi Lübeskind gGmbH lädt Pflegefamilien ein ins Theater an der Parkaue in Berlin … natürlich mit allen Kindern der Familie, die mitkommen möchten. Gemeinsam mit einer Projektgruppe des Instituts KMM in Hamburg wurde eine exklusive und sehr abwechslungsreiche Erlebnisreise gestaltet … mit allem Drum und Dran. Bewerben Sie sich rasch um die kostenlosen Familien-Tickets.

Einladung ins Theater zur Vorstellung von „Robinson Crusoe“ (Altersempfehlung: 10+)

Nach dem Roman von Daniel Defoe
Als einziger Überlebender wird Robinson Crusoe an die Küste einer Insel angespült. In den folgenden 28 Jahren richtet er sich in der Wildnis ein, lernt zu jagen, zu tischlern und Getreide anzubauen. Er rettet einen Eingeborenen und nennt ihn Freitag. Sein Königreich scheint perfekt … bis ein Schiff festmacht und ihn und Freitag nach Europa mitnimmt.

Wo ?

Theater an der Parkaue | Junges Staatstheater Berlin Brachwitz (?)
Parkaue 29, 10367 Berlin (Lichtenberg)
S + U Frankfurter Allee
Parkhaus im Ring-Center, Frankfurter Allee 111

Wann?

Samstag, 26.01.2019
14:30 Uhr Begrüßung im Kassenfoyer + Führung hinter die Kulissen (die Führung beinhaltet Treppen **Foyer über 3 Stufen erreichbar)
16:00 Uhr Robinson Crusoe (70 Minuten, keine Pause)
+ Nachgespräch mit Schauspielern auf Bühne 2
17:45 Uhr Ausklang bei Buffet und Getränken im Großen Foyer**
19:30 Uhr Ende der Veranstaltung

Anmeldung

Anmeldung per E-Mail bis zum 10.01.2019  bei: Kulturzeit@kmm-hamburg.de
Schnell sein lohnt sich, die Karten sind leider begrenzt.

Für individuelle Rückfragen stehen Finja Feddes & Emanuel Werres vom Projekt gerne zur Verfügung.

Sämtliche Veranstaltungskosten sowie Fahrt- und Parkgebühren werden von der Gemeinnützigen Gesellschaft EmMi LuebesKind übernommen.

 

Was uns und unseren Pflegekindern helfen würde.

Eine Pflegemutter mit mehreren Pflegekindern hat im Rückblick auf ihre langjährige Erfahrung einige Vorschläge zur Verbesserung der Rahmenbedingungen:

Defizitorientierung

Zwar steht immer Prophylaxe drüber und „positive Formulierung von Zielen“, was aber in der Realität geschieht, ist in aller Regel eine Defizitorientierung. Bei den jährlichen Hilfekonferenzen und Hilfeplänen ist ohne deutliche Benennung der kindlichen Defizite keine ambulante Hilfe neben der Pflegestelle, ein erweiterter Förderbedarf oder Verlängerung über die Volljährigkeit hinaus zu bekommen. Besonders für die anwesenden Kinder ist das kränkend und zutiefst irritierend- sagt man ihnen doch sonst immer, wie toll sie sich entwickelt haben. Zugang zu Hilfen muss regelhaft möglich sein, ohne in Defizitorientierung zu baden. Von einem Bedarf dieser Personengruppe, bei denen es sich per se um Überlebende handelt, kann immer ausgegangen werden.

Beratung der Herkunftsfamilie

Im Sinne der nachfolgenden Generation (weitere Kinder der Herkunftsfamilie) sowie aus Gründen des besseren Gelingens von Pflegestellen muss die Jugendhilfe beginnen, sich auch um die „verlassene“ Herkunftsfamilie Gedanken zu machen, Beratung für diese zu installieren und anzubieten. Man stelle sich das „leere Nest“ nach der Inpflegegabe des Kindes vor: Die Familienhelfer kommen nicht mehr, man braucht nicht mehr zum Kinderarzt, zur Kita, das Jugendamt meldet sich nicht mehr. Keiner will mehr etwas von einem. Das stellt möglicherweise zunächst eine Entlastung da, lässt die Herkunftsfamilie aber mit rudimentärem Beziehungsnetz und einsam zurück. In diese Lücke fließen Impulse, in die neue Pflegefamilie störend hineinzuwirken oder, wirksamer noch, ein weiteres Kind zu bekommen (für das man dann auch nicht besser sorgen kann). Das holt das verlorene Helfersystem wieder auf den Plan: Hilfekonferenzen, begleitete Umgänge, Gerichtstermine und so weiter. Besser wäre es, Herkunftsfamilien, die offen dafür sind, eine Beratung anzubieten, in der ihnen geholfen wird, mit der Trauer über den Verlust des Kindes fertig zu werden und neue Lebensinhalte zu entwickeln. Das muss ihnen schon im Trennungsprozess angeboten werden. Denn so viel Initiative, sich in dieser Situation selbst eine Beratungsstelle zu suchen (was ja möglich wäre) ist von diesem Personenkreis in dieser Krisensituation nicht zu erwarten. Im Übrigen würde es die Kinder ganz kolossal entlasten, wenn sie wüssten: „Meiner leiblichen Mama geht es auch wieder gut. “

Ungeplante Beendigung eines Pflegeverhältnisses

M.E. sollte Pflegeeltern bei einem Abbruch der Hilfe, z.B. während der Pubertät, das Pflegegeld noch eine zeitlang weiter gezahlt werden. Ich denke hier an etwa 3 Monate. Man hat seine Arbeitszeit reduziert, man hat wegen der Kinder eine größere Wohnung gemietet – so schnell kommt man aus diesen Verträgen und Vereinbarungen ja gar nicht raus. Mal ganz abgesehen von der enormen emotionalen Belastung in dieser Zeit. Aber taggenau mit der Entscheidung, dass es kein Zurück in die Pflegefamilie gibt, ist das Pflegegeld gestrichen und das finanzielle Konzept der Pflegefamilie über den Haufen geworfen. In der stationären Jugendhilfe (Einrichtungen, Heime) wird der Platz schnell wieder neu belegt, so dass keine finanziellen Einbußen geschehen. Aber Pflegefamilien sollen das aus eigenen Mitteln stemmen! Das ist grausam gegenüber den betroffenen Pflegefamilien.

Autorin: Sonja Kaba

Antwort auf das Schreiben des Aktivverbundes zur Anpassung des Pflegegeldes

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie antwortete auf das Schreiben des Aktivverbundes am 30.11.2018:

Sehr geehrte Frau Schusch,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 11.10.2018 zur Anpassung des Pflegegeldes für Pflegepersonen in der Vollzeitpflege.

Hierzu kann ich Ihnen mitteilen, dass eine Neufassung der Ausführungsvorschriften zum Pflegegeld für die Pflegekinderhilfe derzeit in den Fachgremien der Pflegekinderhilfe diskutiert wird und sich inzwischen in Bearbeitung befindet. Wie in einigen anderen Bundesländern sollen sich die Pauschalen zum Lebensunterhalt auch in Berlin u.a. an den regelmäßigen Empfehlungen des Deutschen Vereins orientieren.

Ich danke Ihnen herzlich für Ihr Engagement für die Belange der Pflegefamilien. Sollten Sie Fragen haben, können sie mich gerne anrufen.

mit freundlichen Grüßen

im Auftrag …

Schreiben des Aktivverbundes an den Senat zur Anpassung des Pflegegeldes

Angleichung der Pauschalen für den Lebensunterhalt von Pflegekindern an die Empfehlungen des Deutschen Vereins für 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit möchten wir darauf aufmerksam machen, dass die Pauschalen für den Lebensunterhalt von Pflegekindern in Berlin seit sieben Jahren unverändert sind. Die letzte Angleichung erfolgte mit einem Schreiben vom 6.1.2012.

Das Land Berlin hat die jährlichen Empfehlungen des Deutschen Vereins zur angemessenen Erhöhung des Pflegegeldes für Vollzeitpflege ignoriert. Inzwischen hat sich eine erhebliche Differenz entwickelt, die sich mit den neuen Empfehlungen für 2019 noch vergrößern wird.

Pauschale für den

Lebensunterhalt Berlin    DV-Empfehlungen               2018            2019

0-7 Jahre             399 €                              0-6 Jahre                      522 €           560 €

8-14 Jahre           474 €                              6-12 Jahre                    592 €            644 €

14-18 Jahre         564 €                               12-18 Jahre                   676 €           709 €

Der größte Teil der Bundesländer hat sich den Empfehlungen des Deutschen Vereins angepasst oder zahlt höhere Pauschalen für den Lebensunterhalt.

Wir halten die Unterschiede für untragbar und unverständlich. Wir sind der Überzeugung, dass die vom Land Berlin gewährten Unterhaltszahlungen für ein Pflegekind absolut nicht mehr angemessen sind.

Wir erwarten daher, dass sich der Senat dieses Themas annehmen wird und fordern eine angemessene und zeitnahe Erhöhung des Pflegegeldes des SGB VIII für die Vollzeitpflege und andere daran gemessene Leistungen.

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung. Wir bitten um zeitnahe, schriftliche Beantwortung.

Fortbildung – BDK im Gespräch zum Thema „Rituelle Gewalt“

Rituelle Gewalt und ritueller sexueller Missbrauch finden durch abgeschottet und organisiert agierende Tätergruppierungen statt. Die Opfer werden in der Regel bereits im Kindesalter massiver Gewalt ausgesetzt und dadurch nachhaltig traumatisiert. Ergebnis dieser Traumatisierungen können Persönlichkeitsspaltungen, die sogenannte dissoziative Persönlichkeitsstörung, sein. Hierdurch ist es den Tätern möglich, die Opfer zu manipulieren, was ein mögliches Strafverfahren deutlich erschwert.

Unsere Referentinnen

• Dr. Eva Lauer-von-Lüpke, Juristin und Traumafachberaterin,
• Ellen Engel, Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Strafrecht,
• Uta von Leitner, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
• Renate Schusch, Ausstiegsberatung und Begleitung sowie
• eine betroffene Mutter
beleuchten den Deliktsbereich aus verschiedenen Perspektiven.

Wann? Dienstag, 6. November 2018, 16.00 Uhr

Wo? Dienstgebäude des LKA 1, Keithstr. 30, 10787 Berlin (Tiergarten), Saal 200

Hinweise zur Anmeldung: Interessierte senden bitte eine E-Mail mit dem Betreff („Anmeldung Im Gespräch 06.11.2018 Vor-und Zuname“) an den BDK-Berlin (lv.berlin@bdk.de)
Mit Absenden dieser E-Mail wird die Teilnahme nur für die anmeldende Person ermöglicht, eine weitere Bestätigung erfolgt nicht. Die Platzzahl ist begrenzt (60 TN)! Bei Überbuchung erfolgt eine Absage nur an die Absender-E-Mail-Adresse. Für den Einlass in des Gebäude ist ein Dienstausweis vorzuzeigen!

Die Veranstaltung ist NICHT öffentlich!

Weitere Informationen finden sie hier:

https://www.bdk.de/lv/berlin/aktuelles/2018/fortbildung-bdk-im-gespraech-zum-thema-rituelle-gewalt

Die Zukunft der Kinder- und Jugendhilfe

Mitreden – Mitgestalten ein Beitrag der Pflegefamilienverbände

Die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe sollte in der letzten Legislaturperiode im Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG) ihren Abschluss finden. Dieses Gesetz ist bisher nicht in Kraft getreten. Im Koalitionsvertrag steht, dass die Kinder- und Jugendhilfe auf der Basis dieses Gesetzes weiterentwickelt werden soll. Das aus der Perspektive der Pflegekinderhilfe bedeutsame Thema ist die Sicherung der Kindesinteressen bei Fremdunterbringung. Was bedeutet dies?

1) ein Recht auf Familie haben auch behinderte Kinder

Für alle behinderten Kinder sind entsprechende Angebote der Fremdunterbringung in Familien bedarfsgerecht auszugestalten. Dazu gehören außer den behinderungsspezifischen Bedarfen des Kindes auch Entlastungs-, Fortbildungs-, Beratungs- und andere Unterstützungsbedarfe der Pfle-geeltern. Für Kinder mit besonderem Bedarf im Bereich der Gesundheitsfürsorge sind diese sowie das Recht Anträge zu stellen dringend an die Pflegeeltern zu übertragen. Wenn die Eingliede-rungshilfe Kostenträger ist, müssen die Ausführungsbestimmungen im SGB IX und XII den Rege-lungen aus dem SGB VIII §§ 36 bis 39 entsprechen. Die Zusammenarbeit der Ministerien und das Zusammenführen der Eingliederungshilfe und der Jugendhilfe sind unverzichtbar, um eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe herbei zu führen.

2) Vorbereitung und Unterstützung der Pflegeeltern

Eine gute Vorbereitung und Unterstützung der Pflegefamilien braucht qualifizierte Fachkräfte, die ausreichende zeitliche Ressourcen haben. Die Unterstützung der Pflegeeltern, einschließlich Entlastungsangebote und Fortbildung, sind nach Bedarf zu finanzieren. Pflegefamilien agieren in einem Bereich unterschiedlicher Erwartungen. Daher sind Beratung und Supervision den Pflegeeltern anzubieten. Dafür gilt das Wunsch und Wahlrecht.

3) Umgang zum Wohl des Kindes

Pflegekinder haben ein Recht aber nicht die Pflicht auf Kontakt/Umgang mit ihren leiblichen Eltern. Die Anerkennung der Kinderrechte bei der Umgangsthematik bedeutet zwingend, dass dieAussage des Kindes respektiert wird. Umgänge gegen den Willen und das Wohl des Kindes dürfen nicht durchgeführt werden.

4) Elternberatung

Kindesinteressen als Richtschnur bedeutet eine wertschätzende sozialpädagogische Arbeit mit den leiblichen Eltern. Elternverantwortung heißt Sensibilisierung für die Entwicklungsbedürfnisse des Kindes. Sie haben nicht mehr die Aufgabe, den Alltag mit dem Kind zu gestalten. Sie müssen akzeptieren, dass ihre Kinder andere Bindungen eingehen und brauchen dabei Unterstützung.

5) Lebenswirklichkeit der Pflegekinder

Pflegekinder, die schon länger in ihrer Pflegefamilie leben und sich gebunden haben, brauchen die familienrechtliche Anerkennung ihres Lebensortes. In dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes vom 20. November ist im Artikel 12 explizit die Berücksichtigung des Kindeswillens ausbuchstabiert. Das betrifft insbesondere familiengerichtliche Entscheidungen zum Lebensort des Kindes.

6) Hilfeplanung als wirkliche Beteiligung

Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Hilfeplanung, halten wir für zwingend erforderlich. Sie bedeutet nicht notwendigerweise die Anwesenheit des Kindes beim Hilfeplangespräch, sondern die Wahrnehmung seiner Interessen und Bedürfnisse. Dies hat in einer für das Kind angemessenen und verständlichen Form zu erfolgen. Die schriftliche Dokumentation des Hilfeplangespräches und der Hilfeplan als Verwaltungsakt sind den Betroffenen, einschließlich den Pflegeeltern zeitnah zur Verfügung zu stellen. Im Hilfeplan ist der Zusammenhang von Hilfebedarf und den Bedingungen der Hilfe deutlich erkennbar darzulegen.

7) Kostenbeteiligung junger Menschen

Pflegekinder müssen mit 75 % ihres Einkommens die Jugendhilfe finanzieren. Das ist nicht im Sinne der Hilfegewährung. Die im KJSG angedachte Regelung der Absenkung der Kostenbeteiligung auf 50% sowie einen Freibetrag von 150 € muss schnellstmöglich geltendes Recht werden.

8) Soziale Absicherung von Pflegefamilien

Pflegefamilien werden in vielen Kommunen händeringend gesucht. Die soziale Absicherung von Pflegefamilien hat viele große Löcher. Für kleine Kinder ist, analog zum Elterngeld, ein angemessener Beitrag aus der Jugendhilfe zu finanzieren. Die momentane Regelung zur Alterssicherung reicht nicht aus. Es muss gewährleistet sein, dass Pflegeeltern nicht in Altersarmut rutschen, weil sie Pflegekinder aufgenommen haben und deshalb ihre Berufstätigkeit ganz oder teilweise aufgegeben haben.

9) Schadensregulierung

Die Haftpflichtversicherungen greifen bei Schäden die Pflegekinder im Haushalt der Pflegeeltern verursachen meistens nicht. Haftpflicht ist stets an Deliktfähigkeit geknüpft. Diese ist im BGB geregelt. Zwingend zu klären ist, wie Schäden reguliert werden, die Pflegekinder im Haushalt der Pflegefamilie anrichten.

Ansprechpartner:

PFAD Bundesverband e.V.: Dagmar Trautner, info@pfad-bv.de;
Bundesverband behinderter Pflegekinder e.V.: Kerstin Held, info@bbpflegekinder.de
AGENDAPflegefamilien: Sprecherin Renate Schusch; info@agendapflegefamilien.de

Oktober 2018, PFAD, BbP, AGENDAPflegefamilien